Wer hat Angst vorm Hörgerät?

Mehr Lebensqualität, weniger Tabu: Ein Hilfsmittel für alle Altersklassen

Das Mädchen hört aufmerksam zu mit seiner Hand am Ohr, vor rosa Hintergrund
©iStock

Schwerhörigkeit ist keine Randerscheinung. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben ungefähr 430 Millionen Erwachsene Hörprobleme. Weltweit ist etwa ein Drittel der über 65 Jährigen schwerhörig. Genaue Zahlen für Deutschland gibt es bislang nicht, nicht jede oder jeder, der schlecht hört, sucht Hilfe, daher ist die Dunkelziffer hoch. Der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte geht davon aus, dass jeder zweite Mensch in der Altersgruppe ab dem 65. Lebensjahr schlecht hört. Aber Schwerhörigkeit kennt keine Altersgrenzen, schätzungsweise ein Viertel der über 18 Jährigen hat Probleme mit dem Hören.

Hörhilfen auf dem Vormarsch

Fakt ist, dass Schwerhörigkeit auch eine altersbedingte Abnutzungserscheinung ist. Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs auf beiden Ohren ab. Das ist nicht schön, ist aber auch kein Zustand, den man hinnehmen muss.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte ein New Yorker Ingenieur das erste elektrische Hörgerät und meldete es 1901 zum Patent an. Ein Mikrofon am Höreingang wandelte die eingehenden Schwingungen in elektrische Signale um. Diese wurden über einen Mini-Lautsprecher verstärkt und wieder als akustische Signale abgegeben. Mehr als 120 Jahre später ist das Prinzip noch dasselbe, aber die Digitalisierung hat die kleinen Hörcomputer längst zu medizinischer Hightech gemacht.

3,2 Millionen Menschen in Deutschland besaßen 2021 ein Hörgerät, gekauft in einem von 7000 Hörgeräte Akustik Fachgeschäften. Der Absatz steigt kontinuierlich, 2022 wurden rund 1,5 Millionen Hörgeräte in Deutschland verkauft. Nur leider verschwinden viele dieser Hörhilfen daheim schnell wieder in der Schublade. Ein Grund ist, dass die Gewöhnung an ein Hörgerät eine Herausforderung ist, die mehrere Wochen bis Monate dauern kann. Da ist wirklich Ausdauer gefragt. Und ein guter Hörgeräteakustiker. Denn auch ein High-End-Hörcomputer kann nur so gut sein, wie er technisch auf die individuellen Anforderungen eingestellt wird.

Hörgeräte sind Tabu-Thema

Ein weiterer Grund ist die Scheu, dazu zu stehen, eine Hörhilfe zu nutzen. Hörgeräte scheinen selbst heute noch ein Tabu-Thema zu sein. Warum fällt es so schwer, sich eine Hörschwäche einzugestehen und diese mit einem kleinen feinen Hilfsmittel zu beheben? Vielleicht weil schon das Wort Hörgerät irgendwie nach Uropas Hörrohr und seniler Altersschwäche klingt. Schlecht hören? Das tun nur die Alten. Und ein Hörgerät, das darf auf keinen Fall sichtbar werden.

Selbst wenn Hörgerätehersteller wie z.B. Kind schon vor Jahren mit Prominenten wie Adel Tawil und Mario Adorf für ihre Produkte geworben haben: Das Alters-Klischee wird im öffentlichen Diskurs und in den Medien unachtsam weiter bedient. In einem TV-Beitrag, den der NDR 2022 zum Thema „Hörgeräte: Ursache und Diagnose von Schwerhörigkeit“ produziert hat, wird durch die Auswahl der Protagonisten und Situationen das Vorurteil genährt, dass Hörgeräte vorrangig ein Thema älterer Menschen seien. Umfragen zufolge sind rund zwei Drittel der von Hörverlust betroffenen Menschen aber jünger als 64 Jahre. Einflüsse wie lautes Musikhören oder Lärmquellen im Alltag reizen und schädigen das Gehör schon in jungen Jahren. Ein bisschen mehr Vielfalt stünde dem Thema auch in der öffentlich rechtlichen Berichterstattung gut zu Gesicht!

Hören ist Lebensqualität und schützt vor Demenz

Hören ist die Voraussetzung für lebendiges Miteinander, Freundschaften, Austausch, Aktivität, sprich: Lebensqualität. Niemand will ernsthaft außerhalb der Kommunikation stehen. Ein Hörgerät ist selbst bei leichter Schwerhörigkeit sinnvoll, wenn man sich nicht immer wieder in geräuschvollen Umgebungen isoliert fühlen will. Und es ist faszinierend, was so ein kleiner Hörcomputer leisten kann. Erhalten unsere Hörnerven dauerhaft zu wenig akustische Reize, besteht die Gefahr, dass sie verkümmern. Wird ein Hörgerät dauerhaft getragen, lässt sich die Hörfähigkeit nicht nur erhalten. Bei steter Stimulation und Forderung des Hörvermögens können sich verkümmerte Nerven offenbar bis zu einem gewissen Grad regenerieren. Auch das Gehirn kann bei der Reizverarbeitung dazulernen. Wird ein Hörgerät ständig getragen und das Hörvermögen dadurch dauerhaft angesprochen, kann sich das Hörverstehen nach einiger Zeit sogar verbessern.

Zudem gibt es Erkenntnisse, dass Hörgeräte einen wichtigen Beitrag leisten können, einer Demenz vorzubeugen. Bei Schwerhörigen ohne Hörgerät kann es passieren, dass das Gehirn die Reizverarbeitung von Schall reduziert. Wenn das Hörzentrum des Gehirns weniger Reize erhält, nimmt seine Fähigkeit ab. Der erste Schritt zu geistiger Trägheit und dem darauf folgenden Abbau von Gehirnleistung.

Keine Angst vorm Hörgerät

Lauter gute Gründe, sich zu trauen und keine Angst vorm Hörgerät zu haben. Die Fortschritte in der Hörgeräte-Technologie sind groß. Die Geräte lassen sich digital steuern und sind so klein, dass sie kaum auffallen. Sie haben ein geringes Gewicht und sitzen komfortabel im oder hinter dem Ohr. Dadurch können sie den ganzen Tag getragen werden. Sie filtern Nebengeräusche und sorgen für eine klare Wahrnehmung von  Stimmen, Klängen, Tönen und Geräuschen.

Was hält uns davon ab, rechtzeitig eine Hörhilfe in Betracht zu ziehen? Halle Berry tut es, Robert Redford, Campino von den Toten Hosen und auch die TV-Moderatorin Tanja Bülter, die sich mit Anfang 40 für ein Hörgerät entschied: „Wenn ich an die vielen Situationen denke, in denen ich früher Probleme hatte, kann ich nur feststellen, wie wichtig hören oder besser gesagt das Verstehen ist“, so Bülter in einem Interview mit meinhoergeraet.de. Und das Wichtigste:

Gutes Hören ist Lebensqualität!

Verschiedene Typen von Hörhilfen

Es gibt viele verschiedene Typen, grob unterschieden werden sie in

  • Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO)
  • Im-Ohr-Geräte (IdO)
  • Im-Gehörgang-Gerät

Welches Hörgerät das Richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab. Hier hilft eine fachkundige Beratung beim Hörgeräteakustiker, der eine Empfehlung aussprechen kann und das Hörgerät genau auf die individuellen Defizite des Ohres und persönlichen Anforderungen anpasst.

Alles anders: Eora macht das Hörgerät zum Schmuckstück

Bei der Design-Entwicklung orientieren sich die Hersteller von Hörsystemen immer mehr an der Form moderner Bluetooth Kopfhörer, die man im Ohr trägt. Das soll das etwas verstaubte Design klassischer Hörgeräte korrigieren. Ein großen Sprung nach vorn macht das Team von Eora. Das Münchner Start-up rüttelt an den Vorstellungen von der Welt der Hörgeräte. Das Technikmodul steckt im Ohrschmuck. Mit funktionalen Wechsel-Ohrsteckern wird die Hörhilfe zum Fashion Statement.  Fantastische Idee mit dem Potential, die Welt der Hörgeräte zu verändern.

Hier entlang zu unserer Produktvorstellung des Eora Hörschmucks!

Kategorie: Allgemein, Gesellschaft, Gesundheit, Lifestyle
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